Was kostet eine Erstberatung beim Anwalt?

Wer das erste mal einen Rechtsanwalt aufsucht, um sich beraten zu lassen, hat häufig keine Ahnung, welche Kosten dabei auf ihn zukommen. Ich möchte daher kurz in diesem Beitrag erklären, mit welchen Gebühren Mandanten bei einer Erstberatung rechnen müssen.

Ab wann beginnt die Erstberatung?

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, ab wann überhaupt eine Erstberatung vorliegt.

Ausgangspunkt hierfür ist § 34 RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz). Nach § 34 Abs. 1 S. 1 RVG ist die Beratung definiert als „mündlicher oder schriftlicher Rat oder eine Auskunft“.

Wenn der Anwalt also auf Wunsch des Mandanten eine (mündliche oder schriftliche) rechtliche Empfehlung abgibt oder auf eine konkrete Frage des Mandanten hin eine Auskunft erteilt, liegt bereits eine gebührenpflichtige Beratung vor.

Manche Mandanten fühlen sich daher überrumpelt, wenn sie z.B. nach einem Telefonat mit einem Rechtsanwalt ohne Vorankündigung eine Beratungsrechnung erhalten. Das wird letztlich von Anwalt zu Anwalt unterschiedlich gehandhabt. Ich berechne zum Beispiel bei Anfragen per Telefon oder E-Mail erst dann Gebühren, nachdem ich vorab darauf hingewiesen habe und der Mandant sich damit einverstanden erklärt.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte bei Anfragen an einen Anwalt daher immer vorab ausdrücklich danach fragen, ab wann Gebühren anfallen und wie hoch diese sind.

Anwalt und Mandant sollen Gebührenvereinbarung abschließen

Nach § 34 Abs. 1 S. 1 RVG soll der Rechtsanwalt für einen mündlichen oder schriftlichen Rat oder eine Auskunft (Beratung), die nicht mit einer anderen gebührenpflichtigen Tätigkeit zusammenhängt, auf eine Gebührenvereinbarung hinwirken.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang das Wort „soll“. Wenn im Gesetz „soll“ steht, heißt das nicht „absolut verpflichtend“, sondern „es ist gewünscht“. Der Rechtsanwalt soll also eine Gebührenvereinbarung mit dem Mandanten abschließen. Zwingend erforderlich ist das allerdings nicht. Erstberatungen werden daher häufig auch ohne Gebührenvereinbarung durchgeführt.

Es gibt also zwei Möglichkeiten:

  1. Der Rechtsanwalt schließt mit seinem Mandanten eine Gebührenvereinbarung ab (z.B. auf Basis einer Pauschale oder einer Abrechnung auf Zeitbasis)
  2. Der Rechtsanwalt schließt mit seinem Mandanten keine Gebührenvereinbarung ab (das ist häufig der Fall bei kleinen alltäglichen Beratungen)

Kosten der Erstberatung bei Gebührenvereinbarung

Im Falle einer Gebührenvereinbarung ergibt sich die Höhe der Erstberatungsgebühr aus der Vereinbarung zwischen Anwalt und Mandant. Die Höhe der Erstberatungsgebühr kann grundsätzlich frei vereinbart werden.

Erstberatung auch ohne Gebührenvereinbarung kostenpflichtig

Wird keine Gebührenvereinbarung abgeschlossen, gilt § 34 Abs. 1 S. 2 RVG:

„Wenn keine Vereinbarung getroffen worden ist, erhält der Rechtsanwalt Gebühren nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts.“

Das bedeutet, der Mandant schuldet ohne Gebührenvereinbarung die „übliche Vergütung“ (§ 612 Abs. 2 BGB) für eine Erstberatung. Die übliche Vergütung muss dann ermittelt werden, z.B. durch Vergleiche mit anderen ortsansässigen Kanzleien. Da dies ziemlich aufwändig ist, sollte besser direkt eine Gebührenvereinbarung abgeschlossen werden.

Deckelung der Beratungsgebühr gegenüber Verbrauchern

Ist der Mandant Verbraucher und wurde keine Gebührenvereinbarung abgeschlossen, sind die Gebühren gesetzlich gedeckelt: Für eine Beratung darf der Anwalt dann nicht mehr als 250 € netto verlangen. Beschränkt sich die Beratung auf ein erstes Beratungsgespräch, darf der Anwalt nicht mehr als 190 € netto verlangen.

Das gilt natürlich nur, wenn keine Gebührenvereinbarung abgeschlossen wurde. Mit einer Gebührenvereinbarung kann der Anwalt auch mehr als die vorgenannten Maximalbeträge verlangen.

Fazit

Die Gebühren für eine anwaltliche Erstberatung sind für Verbraucher überschaubar. Wird eine Gebührenvereinbarung geschlossen, weiß der Verbraucher genau, was die Beratung kostet. Selbst wenn keine Gebührenvereinbarung abgeschlossen wird, muss der Verbraucher keine hohe Rechnung befürchten, da die Gebühren in diesem Fall auf maximal 250 Euro netto begrenzt sind.

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