Inkasso – Wie reagieren?

Inkassoschreiben sind für die Empfänger häufig belastend und sorgen für Unruhe. Schnell macht sich die Sorge breit, dass demnächst der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht und Geld oder sogar das Auto pfändet. Übertriebene Panik ist allerdings regelmäßig unangebracht, wie ich in diesem Beitrag näher erläutern möchte.

Warum erhält man Inkassoschreiben?

Inkassounternehmen werden regelmäßig dann tätig, wenn ein Gläubiger eine offene Forderung durchsetzen möchte, weil diese vom Schuldner nicht bezahlt wird. Dies kann verschiedenste Gründe haben. Möglich ist zum Beispiel, dass der Schuldner schlicht zahlungsunfähig ist. Denkbar ist aber auch, dass ein Schuldner vergessen hat, eine Rechnung zu begleichen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass ein Schuldner sich weigert, eine Forderung zu bezahlen, z.B. weil er diese für unberechtigt hält.

Wer darf Inkassoschreiben verschicken?

Inkasso stellt eine Rechtsdienstleistung dar und wird definiert als

„die Einziehung fremder oder zum Zweck der Einziehung auf fremde Rechnung abgetretener Forderungen, wenn die Forderungseinziehung als eigenständiges Geschäft betrieben wird, einschließlich der auf die Einziehung bezogenen rechtlichen Prüfung und Beratung (Inkassodienstleistung).“

(§ 2 Abs. 2 S. 1 RDG)

Inkasso dürfen – neben Rechtsanwälten – grundsätzlich nur nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) registrierte Personen und Unternehmen durchführen. Wenn man prüfen möchte, ob der Absender eines Inkassoschreibens hierzu überhaupt registriert ist, kann man dies einfach auf

https://www.rechtsdienstleistungsregister.de/

herausfinden.

Inkassoschreiben – Was hat man zu befürchten?

Was man nach Erhalt eines Inkassoschreibens zu befürchten hat, lässt sich nicht pauschal sagen. Am Markt existieren etliche Inkassounternehmen. Viele davon handeln professionell und seriös und verfolgen Forderungen notfalls auch gerichtlich weiter. Andere hingegen beschränken sich lediglich darauf, Schuldner mit Drohschreiben einzuschüchtern, um „zu schnellem Geld“ zu kommen. Ich habe in meiner anwaltlichen Praxis bereits mit vielen Inkassounternehmen zu tun gehabt und die Erfahrung gemacht, dass manche Unternehmen schnell aufgeben, wenn sich der Empfänger einen Rechtsanwalt nimmt und die Forderung bestreiten lässt.

Für Schuldner ist es wichtig zu wissen, dass Inkassounternehmen über keinerlei hoheitliche Sonderrechte verfügen! Man muss also nicht befürchten, dass einem schon bald das Konto gepfändet wird, wenn ein Inkassoschreiben im Briefkasten liegt.

Sollte man Inkassoschreiben ignorieren?

Ich kann nur davon abraten, Inkassoschreiben kategorisch zu ignorieren. Wie bereits beschrieben, gibt es zwar einige Unternehmen, die es letztlich nur bei Drohschreiben belassen und nicht vor Gericht ziehen. Das kann man aber letztlich niemals garantieren. Ebenso gibt es Inkassounternehmen, die unbestrittene und unbezahlte Forderungen an Auskunfteien (z.B. die SCHUFA) melden, was erhebliche Nachteile auf die persönliche Bonität haben kann.

Wer ein Inkassoschreiben erhält, sollte sich also in jedem Fall damit kritisch auseinandersetzen. Die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts kann hierbei hilfreich sein und verursacht regelmäßig weniger Kosten als der geforderte Betrag.

Muss man die Inkassogebühren bezahlen oder reicht es einfach, die Hauptforderung zu begleichen?

Ebenso abzuraten ist von der verbreiteten Vorgehensweise, nach Erhalt eines Inkassoschreibens einfach nur die Hauptforderung zu bezahlen und darauf zu vertrauen, dass die Angelegenheit damit erledigt ist. Das kann im Einzelfall funktionieren, muss es aber nicht. Es droht letztlich das Risiko, dass der Gläubiger die Inkassogebühren nachträglich gerichtlich geltend macht. Hierdurch entstehen wiederum weitere Gerichts- und Anwaltskosten, welche im ungünstigsten Fall dem Schuldner zur Last fallen.

Ob man die Inkassogebühren bezahlen muss oder nicht, ist eine Frage des sog. Verzugs. Inkassokosten sind grundsätzlich als Verzugsschaden erstattungspflichtig, jedoch nur bis zur Höhe der Vergütung, die einem Rechtsanwalt für diese Tätigkeit nach den Vorschriften des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) zustehen würde (§ 13e Abs. 1 RDG).

Ob die Inkassogebühren vom Schuldner bezahlt werden müssen und in welcher Höhe, ist damit letztlich eine Frage des Einzelfalls. Ein Rechtsanwalt Ihres Vertrauens kann Sie hierzu entsprechend beraten.

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